Erhoben aus den Tiefen

Die dunkle Welle
Bricht über die Sterblichen herein,
doch niemand eilt ihnen zu Hilfe!
Die Götter, die einst diese Welt erschufen,
Haben sie nun verlassen.
Doch durch ihr Verschwinden
Wurden uralte Mächte erweckt
Und aus den Tiefen des Erdreichs geholt.
Viele der Kreaturen, die nun aus den Tempeln strömen, sind schwach
Und kaum eine Gefahr für die Sterblichen,
Doch die wahre Bedrohung
kommt unbemerkt!
Ein gigantischer Sturm tobte über den Farangainseln. Turmhohe Wellen dominierten den Ozean, Blitze kündigten weitere Regengüsse an, der Wind glitt wie ein rachsüchtiger Geist über das Meer ... Gerade auf hoher See war es besonders gefährlich für Fischer und andere Seefahrer, die zu diesem Zeitpunkt über das Meer segelten. Als plötzlich der Sturm einsetzte und für kurze Zeit seltsame Lichter am Himmel erschienen, versuchte jedes Schiff die nächste Insel zu erreichen.
![]()
„Los doch, beeil dich, Horst, oder willst du, dass uns der Gyrger holt?“, schrie Hans und versuchte dabei das Heulen des Windes und das Donnern zu übertönen. Monsunartig prasselten die Regentropfen auf das kleine Fischerboot und durch den rauen Wellengang schwankte es bedrohlich. Der ältere der beiden Männer, Hans, versuchte mit einem Eimer das Regenwasser aus dem Boot zu schöpfen, während der etwas jüngere Horst ruderte, als wäre tatsächlich der Gyrger hinter ihnen her. Und teilweise glaubte der Ruderer wirklich, dass sie ein böser Geist verfolgte ... ein finsteres Omen, ein Fluch der Götter, weil er sich vor einiger Zeit geweigert hatte, einem Magier etwas Geld zu spenden.
Auch wenn er es nicht wusste, ganz Unrecht hatte er nicht!
Tatsächlich war es kein Zufall, dass sich auf den Inseln und dem Festland uralte Tempel aus den Tiefen der Welt wie Pilze aus dem Boden hoben und längst vergessene Geschöpfe aus diesen Grabstätten strömten. Es hing mit dem Verschwinden der Götter aus dieser Welt zusammen: erst jetzt konnte sich eine unbekannte Macht erneut erheben, die bereits seit undenklichen Zeiten in Vergessenheit geraten war.
Ein weiterer Blitz erhellte kurzzeitig die Nacht und plötzlich hielt Horst inne. Für einen kurzen Augenblick hatte er da draußen auf dem Ozean etwas gesehen, höher als ein Leuchtturm. Es war nur ein undeutlicher Schemen gewesen, kein Schiff, eher wie ein Riese. Erneut blitzte es auf, doch nun war nichts mehr zu sehen außer dem noch immer unruhigen Meer.
„Du Idiot, was machst du da?“, rief Hans wütend. “Willst du ein nasses Grab, oder was hat dich gebissen? Ruder weiter!“
Horst kam sofort der Aufforderung nach. „Da war etwas!“, rief er zurück. “Vielleicht war es nur Einbildung, aber ich glaube da stand ein Riese im Wasser!“ Er klang nun ziemlich ängstlich.
Der Ältere sah zurück, konnte jedoch nichts ausmachen. „Sehr witzig!“, knurrte er für den Ruderer hörbar. “Mal nicht den Gyrger an die Wand, deine Schauergeschichten kannst du in der Kneipe erzählen. Da ist nichts!“
Horst nickte, er glaubte bereits selbst nicht mehr daran. „Vermutlich eine Sinnestäuschung“, flüsterte er leise zu sich selbst. „Vielleicht eine etwas höhere Welle oder irgendwas anderes.“
Bedauerlicherweise war es jedoch keine optische Täuschung, auch wenn es die beiden nie erfahren sollten. Denn schon im nächsten Moment bildete sich hinter ihnen eine turmhohe Welle und zerschmetterte das Boot der beiden Fischer. Ihre Leichen sollten nie gefunden werden ...
![]()
Mächtige Titanen werden sich erheben
Und die Lande verwüsten!
Als die Götter die Welt verließen
Hat sie dies aus ihrem jahrtausendlangen Schlaf erweckt.
Und getrieben von unstillbarem Hass
Durchwandern bereits die ersten von ihnen die Welt.
Der Wassertitan fauchte bösartig auf, nachdem er dieses lächerliche Boot mit den zwei Sterblichen zertreten hatte. Diese armseligen Geschöpfe würde er nie respektieren, ihnen galt seine größte Verachtung.
Das Erwachen war für ihn schlagartig gekommen. Er war unsanft aus seinen Träumen gerissen worden als er bemerkte, dass der Bann von einst verflogen war. Mühelos hatte er die Ketten abgestreift, die ihn mehrere Zeitalter lang an den Grund des Ozeans gefesselt hatten, und war dann zur Oberfläche emporgestiegen. Und er wusste, was dies zu bedeuten hatte:
Die Schöpfer dieser Welt hatten ihrer Schöpfung den Rücken gekehrt und das kommende Zeitalter gehörte nun der stolzen Rasse der Titanen!
Vashynkor sah sich kurz nach weiterer Beute um, musste jedoch enttäuscht feststellen, dass außer ihm und den Geschöpfen des Meeres niemand in der Nähe war. Getrieben von Zerstörungswut und unstillbarem Hass, schritt der Titan brüllend weiter über den Ozean, der vor ihm wie ein Schoßhund niederkniete.
Seine eigentlichen Pläne konnte er auch später noch verwirklichen ...
~ Idee & Story von KelThuzad.

Zum Interview mit KelThuzad: Interview mit KelThuzad
Sprich mit anderen Risen-Fans darüber: Foren-Diskussionsthread














