Die unheimliche Begegnung

"Pssst, hast du das gehört? .. Hmmm, war wohl doch nichts. Wir sollten trotzdem lieber weitergehen.." sagte Danilo, sich von einem Baumstamm erhebend, und schlich weiter durch die Dunkelheit. Es war eine dunkle Nacht, der Wind wehte durch die Palmenblätter und verursachte jede Menge Lärm. Von unten aus konnte man durch die Bewegung der Bäume ab und zu einen Blick vom Mond erhaschen, der so klein schien wie die Sichel eines Gnomes.
Der Dschungel war in dieser Gegend sehr dicht und das Gras reichte Danilo bis zum Bauchnabel. Er schlich durch den Dschungel, in der rechten Hand mit gezogenem Schwert dass einer Machete ähnelte, in der linken trug er eine Fackel. Nur selten benutzte Danilo sein Schwert, um durch das Dickicht zu kommen. Er bewegte sich sehr leise um möglichst wenig auf sich aufmerksam zu machen. Er war nicht allein, es war eine Gruppe von acht Mann, die anderen unterstanden seinen Befehlen.
"Auaaa!" hörte er plötzlich von hinten her jemanden rufen, gefolgt von einem dumpfen Aufschlag und einem Gekicher der anderen Begleiter. "Verdammter Dschungel, jetzt reicht’s mir. Warum im Gyrgers Namen schleichen wir hier durch die Gegend? Es ist Nacht, wir sind weit weg von der Stadt, wer soll uns hier schon hören?" meinte Maliko.
"Halts Maul, hier gibt es noch schlimmere Gefahren als die Anhänger der Inquisition. Wir sollten versuchen so still wie möglich zu bleiben, immerhin sind wir fast schon da.", flüsterte der mittlerweile genervte Danilo.
"Ach ja, woher willst du das wissen? Die Karte des Dons ist uralt, und außerdem sagte er etwas von "ungefähr" und "in etwa", ich könnte wetten wir haben uns verlaufen!“ rief Maliko unzufrieden.
Danilo erwiderte: "Sei einfach still, ich weiß was ich mache!"
Maliko rollte mit den Augen, in der Annahme die anderen würden es sehen, doch in der Dunkelheit waren sie froh, noch ihre eigene Nase erkennen zu können. Zwar hatten sie die Fackeln, doch warfen sie große Schatten auf das umliegende Geäst, die das Größen- und Orientierungs-Gefühl beeinträchtigten.
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Sie schlichen weiter. Jedes Mal, sobald Danilo ein Geräusch hörte, blieb er stehen. Die anderen hörten nichts und belustigten sich an seiner übertriebenen Vorsicht.
Sie kamen zu einem Bach, der parallel zu ihrer Wegstrecke floss. Sie liefen den Bach entlang, doch dessen Lärm machte es ihnen schier unmöglich, andere Geräusche ausfindig zu machen.
*Platsch*, Maliko stolperte im modrigen Schlamm und versank bis zu den Knien im Bach. "Verdammte Scheiße, ich hab es so satt, ich schwöre beim Gyrg..." schrie Maliko. Lautes Gelächter seiner Begleiter erfüllte den stillen Dschungel - Nur Danilo blieb still.
"Halt dein Maul, sofort. Du trampelst hier wie ein Irrer durch die Gegend, pass gefälligst auf wo du hin trittst!" sagte der Anführer der kleinen Gruppe.
"Was willst du damit sagen? Willst du sagen es ist meine Schuld? Wer führt uns denn hier durch den Dschungel weiß Gyrger wohin? Deine verdammte Karte..!“ - Maliko riss Danilo die Karte aus den Händen und warf sie ins Wasser. Tobend brüllte er: "Verrotten soll sie und du am besten mit ihr!"
Danilo wurde sprachlos, er war überrascht von Maliko‘s unerhörter Respektlosigkeit. Im Reflex stieß er Maliko von sich fort. Er fiel zu Boden, doch hörten sie keinen Aufprall - sie sahen nicht, dass sie an einem Abgrund standen. Doch der Abgrund war nicht sehr tief, denn schon nach einigen Sekunden hörten sie ihn auf dem Wasser aufkommen. "Verdammte Scheisse..", stammelten sie fassungslos, dann wurde es still.
"Maliko, bist du in Ordnung? Hey, sag doch was!" schrie Danilo, und schaute den Abgrund hinab. Doch er sah nichts außer völliger Dunkelheit. "Wahrscheinlich spinnt er jetzt wieder rum, lasst uns hinab klettern, Jungs.".
Sie kletterten den Abgrund an einigen Ranken hinab, die von den großen Bäumen herabhingen, und erreichten schon sehr bald den Grund. Besser gesagt das Wasser, denn sie standen in einem Sumpf, bewachsen mit hohen Grasbüscheln. Sie erreichten die Stelle an dem sie den Aufprall von Maliko erwartet hatten, doch sie konnten ihn nicht finden.
"Verdammter Idiot, komm schon raus, ich habe deine Spielchen sowas von satt!" rief Danilo.
Plötzlich fühlten sie sich in Erleichterung. Sie konnten im Dunkeln das Plätschern von Schritten vernehmen, und dies konnte nur von einem Menschen stammen. Das Plätschern kam immer näher, und langsam aber sicher konnten sie eine menschliche Kontur erkennen.
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"Was treibst du da Maliko?" rief der Anführer hörbar erleichtert und hob die Fackel ein wenig höher, um ihn besser erkennen zu können. Doch urplötzlich erfasste Danilo das Gefühl großer Angst, denn was er sah, hatte er nicht erwartet. Es war nicht das erwartete, unfreundliche Gesicht seines Begleiters, sondern er erblickte ein grünes Etwas - Es war eine Moorleiche.
"Waaaaah, nichts wie weg hier!" schrie Danilo, doch es war schon zu spät. Die Moorleiche war bereits zu nah an sie rangekommen und blockierte ihnen den Weg. Plötzlich tauchten um sie herum unzählige solcher Kreaturen aus dem Wasser, und umzingelten die Gruppe.
Danilo schlängelte sich durch eine kleine Lücke zwischen zwei Moorleichen, und lief so schnell er konnte. Wohin, das war ihm gänzlich egal, er wollte nur raus aus dem Sumpf.
Er lief um sein Leben, denn hörte er noch immer einige Verfolger, die sich plätschernd durch den modrigen Sumpf bewegten.
Dann endlich spürte er feste Erde unter den Beinen. Er erreichte einen Berg und hielt an. Nicht weil er glaubte entkommen zu sein, er hatte einfach keine Kraft mehr.
Die Verfolger kamen immer näher. Danilo hörte sie rennen, er hörte sie reden. Er drehte sich um und sah wider Erwarten Adan und Lorenzo, zwei bekannte Gesichter aus seiner Truppe.
"Sie ... sie sind alle tot, Danilo! Ich habe es mit eigenen Augen gesehen, sie rissen ihnen die Arme und Beine aus, sie ..." schluchzte Adan. Danilo hatte Schwierigkeiten ihn zu beruhigen.
Plötzlich hörten sie ein ungewohntes Geräusch hinter ihnen, schützend erhoben sie ihre Waffen. Es war Maliko, von Kopf bis Fuß mit Schlamm bedeckt und von Kratzern gezeichnet.
Danilo fühlte sich erleichtert und zornig zugleich, doch beantwortete er Maliko‘s Frage über den Verbleib der anderen Begleiter an diesem Tage nicht.
Hinter ihm ging langsam aber sicher die Sonne auf, die eine große Ruine in naher Ferne erleuchtete.
"Wir sind da", sagte Danilo mit großer Erleichterung.
~ Idee & Story von Thugsoldier.

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